Andi Matuska in action.

9.Januar 2009.
Schon früh reißt mich mein Wecker unsanft aus meinen Träumen. Draußen ist kalt, aber klar, Jänner eben. Ich frühstücke ein wenig, mach mich dann fertig um endlich aufzubrechen. Wie so oft kann mich nichts mehr in der Stadt halten. Das Wetter, die Sonne zieht mich wie magisch in die Natur, zu den Felsen.

Chalkbag, Schuhe und Crashpad, mehr benötige ich heute nicht. Ich schalte meinen Mp3-Player ein, setze meine Kopfhörer auf und lasse mich von der Musik und dem Rhythmus eine Weile lang tragen. In die Straßenbahn, dann weiter zum Zug, vorbei an Menschen, die hektisch durch die Gegend eilen.


Schnell zieht die Landschaft an mir vorbei und in der Ferne taucht mein Ziel, die beeindruckende, mit Höhlen durchlöcherte Felswand von Peggau bei Graz auf. Während des Aufstieges schweifen meine Gedanken immer wieder kurz zu den kleinen Sorgen des alltäglichen Lebens ab, doch sie schwinden mit jedem Schritt mehr und mehr und öffnen meine Gedanken für die Natur.

Ich setze mich auf mein Crashpad, ziehe meine Kletterschuhe an, die Sonne scheint mir fast waagrecht ins Gesicht, und ich beginne mich langsam am Felsen zu bewegen. Zuerst noch ein wenig unrhythmisch, dann immer flüssiger.

Ohne Erwartungen nehme ich die Startgriffe der Klem-Traverse 8A+, welche ich bisher aus Trainingszwecken fürs Sportklettern nur wenige Male ausgecheckt habe, in die Hände und starte meinen ersten ernsthaften Versuch.

Die Züge fallen mir nicht leicht und in der Schlüsselpassage ist dann Schluss. „Verdammt“, denke ich mir, „um diesen Boulder zu klettern, musst du hier wohl noch öfters herkommen!“ Auch die Schlüsselpassage allein gelingt mir erst beim dritten Versuch an diesem Tag. Ziemlich entmutigt trinke ich eine Tasse Tee und lasse die angenehmen Sonnenstrahlen auf mich einwirken.

Nach einer Weile mache ich mich wieder bereit, ohne irgendwelche Hoffnungen auf Erfolg zu haben. Wieder sind auch die leichteren Züge relativ anstrengend, diesmal aber halte ich die Leisten in der Schlüsselpassage.

Völlig konzentriert und wie in Trance erlebe ich diese kurzen, intensiven Momente, die jeder Kletterer kennt: Nur du, der Felsen und das unglaubliche Gefühl, für kurze Zeit von allem Anderen frei zu sein!


CALZADOS BOREAL SL
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